{"id":21,"date":"2026-07-31T00:21:04","date_gmt":"2026-07-30T22:21:04","guid":{"rendered":"https:\/\/powersmartcoat.de\/innendaemmung-wta-nachweis\/"},"modified":"2026-07-31T00:21:04","modified_gmt":"2026-07-30T22:21:04","slug":"innendaemmung-wta-nachweis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pscoat.fi/en\/innendaemmung-wta-nachweis\/","title":{"rendered":"Internal Insulation in Existing Buildings: What WTA Requires"},"content":{"rendered":"<p>Au\u00dfen d\u00e4mmen ist bauphysikalisch der einfachere Weg. Nur ist er oft versperrt \u2014 durch Denkmalschutz, durch eine Klinkerfassade, durch das Nachbargrundst\u00fcck oder schlicht durch die Eigent\u00fcmerversammlung. Dann bleibt die Innend\u00e4mmung. Sie funktioniert, aber sie verzeiht deutlich weniger, und das hat einen benennbaren Grund.<\/p>\n<h2>Was sich beim D\u00e4mmen von innen umkehrt<\/h2>\n<p>Bei einer Au\u00dfend\u00e4mmung liegt die tragende Wand auf der warmen Seite der D\u00e4mmebene. Sie bleibt temperiert, speichert W\u00e4rme und trocknet nach innen ab.<\/p>\n<p>Bei einer Innend\u00e4mmung liegt sie auf der <strong>kalten<\/strong> Seite. Daraus folgen drei Dinge zwangsl\u00e4ufig:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Die Wand wird k\u00e4lter<\/strong> als vorher. Das ist keine Nebenwirkung, sondern der Zweck: Der W\u00e4rmestrom aus dem Raum wird gebremst, also kommt weniger davon in der Wand an.<\/li>\n<li><strong>Die Trocknungsreserve nach innen entf\u00e4llt<\/strong> weitgehend. Feuchte, die fr\u00fcher in den Raum abtrocknen konnte, muss nun einen anderen Weg finden.<\/li>\n<li><strong>Die Speichermasse ist vom Raum abgekoppelt.<\/strong> Der Raum heizt schneller auf und k\u00fchlt schneller aus.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der kritische Punkt ist die <strong>Grenzfl\u00e4che zwischen D\u00e4mmung und Bestandswand<\/strong>. Dort ist es kalt, dort kommt Wasserdampf aus dem Raum an, und dort kann er kondensieren \u2014 unsichtbar, hinter der Bekleidung.<\/p>\n<h2>Die WTA hat daf\u00fcr ein eigenes Regelwerk<\/h2>\n<p>Die Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege f\u00fchrt zwei aufeinander bezogene Merkbl\u00e4tter:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>WTA-Merkblatt 6-4<\/strong>, \u201eInnend\u00e4mmung nach WTA I: Planungsleitfaden&#8221;, Ausgabe 10.2016<\/li>\n<li><strong>WTA-Merkblatt 6-5<\/strong>, \u201eInnend\u00e4mmung nach WTA II: Nachweis von Innend\u00e4mmsystemen mittels numerischer Berechnungsverfahren&#8221;, Ausgabe 2014<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Aufbau ist zweistufig und praxisnah gedacht. Merkblatt 6-4 beschreibt ein <strong>vereinfachtes Nachweisverfahren<\/strong> mit klar benannten Randbedingungen, die eingehalten werden m\u00fcssen. Wer innerhalb dieser Randbedingungen bleibt, kommt ohne Simulation aus.<\/p>\n<p>Wer sie verl\u00e4sst \u2014 h\u00f6here D\u00e4mmschichtdicken, diffusionsoffene Systeme, ungew\u00f6hnliche Konstruktionen \u2014, braucht den Weg \u00fcber Merkblatt 6-5: eine <strong>Simulation des gekoppelten W\u00e4rme- und Feuchtetransports<\/strong> nach den WTA-Merkbl\u00e4ttern 6-1 und 6-2, mit den in 6-5 formulierten Randbedingungen und Bewertungskriterien f\u00fcr das Ergebnis.<\/p>\n<p>Der Punkt, den man aus diesem Aufbau mitnehmen sollte: <strong>Ein feuchtetechnischer Nachweis ist bei Innend\u00e4mmung nicht optional.<\/strong> Ohne ihn l\u00e4sst sich nicht beurteilen, ob die Konstruktion Folgesch\u00e4den erzeugt.<\/p>\n<h2>Was vor der Planung gekl\u00e4rt sein muss<\/h2>\n<p>Die Bestandsaufnahme entscheidet \u00fcber Erfolg und Misserfolg, und sie ist bei Innend\u00e4mmung umfangreicher als bei einer normalen Beschichtung.<\/p>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Zu kl\u00e4ren<\/th>\n<th>Warum<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Schlagregenbeanspruchung der Fassade<\/td>\n<td>Eine Wand, die von au\u00dfen durchn\u00e4sst wird, trocknet nach der Innend\u00e4mmung schlechter ab<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Zustand von Fugen, Putz und Anschl\u00fcssen<\/td>\n<td>Jede Undichtigkeit wird durch die k\u00e4ltere Wand kritischer<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Aufsteigende Feuchte im Sockel<\/td>\n<td>Muss vorher gestoppt sein, sonst wandert sie in die D\u00e4mmebene<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Einbindende Bauteile: Decken, Innenw\u00e4nde, Balkonplatten<\/td>\n<td>Dort entstehen die W\u00e4rmebr\u00fccken, die die Innend\u00e4mmung nicht mit erfasst<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Holzbalkenk\u00f6pfe in der Au\u00dfenwand<\/td>\n<td>Der klassische Schadensfall \u2014 der Balkenkopf liegt nach der Ma\u00dfnahme k\u00e4lter<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Nutzung und Feuchteanfall im Raum<\/td>\n<td>Bad, K\u00fcche und Schlafzimmer haben andere Randbedingungen als ein B\u00fcro<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Der <strong>Holzbalkenkopf<\/strong> verdient eine eigene Zeile, weil er der h\u00e4ufigste ernste Schaden ist. In vielen Altbauten liegen die Deckenbalken in Taschen der Au\u00dfenwand. Nach einer Innend\u00e4mmung liegt dieser Bereich k\u00e4lter und feuchter als vorher \u2014 mit einem Bauteil aus organischem Material mittendrin. Die Detailplanung dieser Stelle geh\u00f6rt zu jeder Innend\u00e4mmungsplanung dazu.<\/p>\n<h2>W\u00e4rmebr\u00fccken werden nicht kleiner, sondern sichtbarer<\/h2>\n<p>Eine Innend\u00e4mmung d\u00e4mmt die Fl\u00e4che, nicht die Anschl\u00fcsse. Wo eine Innenwand oder eine Geschossdecke in die Au\u00dfenwand einbindet, bleibt eine unged\u00e4mmte Verbindung zur kalten Seite bestehen.<\/p>\n<p>Das Ergebnis: <strong>Der relative Unterschied zwischen Fl\u00e4che und Anschluss w\u00e4chst.<\/strong> Die Fl\u00e4che wird w\u00e4rmer, der Anschluss bleibt, wo er war. Wenn vorher gleichm\u00e4\u00dfig verteilte Feuchte auf der ganzen Wand anfiel, sammelt sie sich hinterher an den wenigen kalten Stellen.<\/p>\n<p>Genau dort greift das Kriterium aus DIN 4108-2: An der ung\u00fcnstigsten Stelle der raumseitigen Oberfl\u00e4che ist ein Temperaturfaktor f<sub>Rsi<\/sub> \u2265 0,70 einzuhalten, was unter den Randbedingungen des Nachweises einer Mindest-Oberfl\u00e4chentemperatur von 12,6 \u00b0C entspricht. Wer die Fl\u00e4che verbessert und den Anschluss vergisst, verschiebt das Problem, statt es zu l\u00f6sen. Ausf\u00fchrlich dazu: <a href=\"\/schimmelkriterium-oberflaechentemperatur\/\">Warum Schimmel keine Frage der Heizung ist<\/a>.<\/p>\n<h2>Der Untergrund muss vorher stimmen<\/h2>\n<p>F\u00fcr die Ausf\u00fchrung gilt derselbe Grundsatz wie bei jeder Beschichtungsarbeit \u2014 nur mit h\u00f6herem Einsatz, weil eine Innend\u00e4mmung nachtr\u00e4glich nicht mehr zug\u00e4nglich ist. Der Untergrund muss <strong>trocken, fest und tragf\u00e4hig<\/strong> sein; die baustellen\u00fcblichen Pr\u00fcfungen dazu sind in BFS-Merkblatt Nr. 20 beschrieben, die Pflicht zur Bedenkenanmeldung in VOB\/C ATV DIN 18363 Abschnitt 3.1.1 und VOB\/B \u00a7 4 Abs. 3.<\/p>\n<p>Wer hier abk\u00fcrzt, verschlie\u00dft den Fehler hinter einer Bekleidung. Details zum Pr\u00fcfumfang: <a href=\"\/untergrundpruefung-vob-bfs\/\">Untergrund pr\u00fcfen: was der Betrieb schuldet \u2014 und was nicht<\/a>.<\/p>\n<h2>Wo eine Innend\u00e4mmung ihre St\u00e4rke hat<\/h2>\n<p>Bei aller Vorsicht \u2014 es gibt Konstellationen, in denen sie klar die richtige Wahl ist:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Denkmalgesch\u00fctzte oder gestalterisch gebundene Fassaden<\/strong>, bei denen au\u00dfen nichts ver\u00e4ndert werden darf.<\/li>\n<li><strong>Selten genutzte R\u00e4ume<\/strong>, die schnell warm werden sollen und nicht auf Speichermasse angewiesen sind.<\/li>\n<li><strong>Einzelne R\u00e4ume<\/strong>, wenn eine Gesamtma\u00dfnahme wirtschaftlich oder eigentumsrechtlich nicht durchsetzbar ist.<\/li>\n<li><strong>Beengte Grenzbebauung<\/strong>, wo au\u00dfen schlicht kein Platz ist.<\/li>\n<\/ol>\n<p>In allen vier F\u00e4llen gilt: Die Ma\u00dfnahme steht und f\u00e4llt mit der Planung der Anschl\u00fcsse und mit dem feuchtetechnischen Nachweis. Beides ist Aufwand vor dem ersten Handgriff \u2014 und beides ist billiger als der Schaden, den es verhindert.<\/p>\n<hr>\n<h3>Quellen<\/h3>\n<ul>\n<li>WTA-Merkblatt 6-4, \u201eInnend\u00e4mmung nach WTA I: Planungsleitfaden&#8221;, Ausgabe 10.2016<\/li>\n<li>WTA-Merkblatt 6-5, \u201eInnend\u00e4mmung nach WTA II&#8221;, Ausgabe 2014, sowie die darin referenzierten Merkbl\u00e4tter 6-1 und 6-2 zum gekoppelten W\u00e4rme- und Feuchtetransport<\/li>\n<li>DIN 4108-2 \u2014 Mindestanforderungen an den W\u00e4rmeschutz, Temperaturfaktor f<sub>Rsi<\/sub><\/li>\n<li>DIN 4108-3 \u2014 Klimabedingter Feuchteschutz<\/li>\n<li>VOB\/C ATV DIN 18363 Abschnitt 3.1.1 sowie VOB\/B \u00a7 4 Abs. 3<\/li>\n<li>BFS-Merkblatt Nr. 20, \u201eBaustellen\u00fcbliche Pr\u00fcfungen zur Beurteilung des Untergrundes&#8221;<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Dieser Beitrag gibt den Stand der genannten Regelwerke wieder und ersetzt weder eine Planung noch eine Rechtsberatung. Ma\u00dfgeblich ist im Einzelfall die jeweils g\u00fcltige Fassung.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>With internal insulation, the wall sits on the cold side. Why that makes moisture verification to WTA 6-4 and 6-5 compulsory \u2014 and where timber beam ends turn into damage.<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-21","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-verarbeitung"],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/pscoat.fi/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/pscoat.fi/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/pscoat.fi/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pscoat.fi/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/pscoat.fi/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/pscoat.fi/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/pscoat.fi/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/pscoat.fi/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}